Inside Michael

Vor einem Jahr wurde ich 30. Damals sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen die ich in Turning 30 niedergeschrieben habe. Vieles beziehungsweise alles was mir damals durch den Kopf ging kann ich heute noch so unterschreiben.

Ich finde es sehr faszinierend. Vor meinem 30er hat sich sehr viel in meinem Leben verändert. Es ändert sich immer was, damals war es allerdings besonders viel auf einmal. Zum 30er hatte ich das unbändige Gefühl, meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Ob es mit dem runden Geburtstag an sich zu tun hatte kann ich heute nicht mehr genau sagen. Vermutlich war es aber der Auslöser, der bei mir sehr viel in Bewegung gebracht hat. Angefangen vom Job, Studium, Hund, Sport und natürlich mein privates Leben. Alles hat sich vollkommen gewandelt. Mit diesen äußeren Veränderungen haben sich aber auch viele Dinge in mir geändert.

Viele Menschen sagen mir ich kenne meine Grenzen nicht. Sie sagen mir immer wieder folgendes. Ich übertreibe in vielen Dingen die ich tue und schlussfolgern, dass es mir dabei nicht gut gehen kann. Ich lebe ständig in der Überforderung und versuche alles unter einen Hut zu bringen. Dabei vergesse ich auf mich selber zu hören. Viel schlimmer noch. Ich höre besser auf die Bedürfnisse der Menschen um mich herum, als auf meine eigenen.

Verständlicher Weise habe ich da eine andere Sicht der Dinge, beziehungsweise will das nicht als Negativum sehen.

Ich denke ich bin wie viele andere Menschen in Österreich. Grundlegend bin ich sehr zufrieden und glücklich mit meinem Leben. Immer wieder habe ich mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Ich bin auch manchmal Unglücklich über Gewisse Situationen und Gegebenheiten. Oder ich habe einen schlechten Tag in dem mich viele Dinge nerven. Mich nervt vieles in der Politik, Wirtschaft und der Umgang der Menschen miteinander. Deswegen bin ich aber nicht jeden Tag traurig oder wütend. So wie der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr sagte:

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über mich gelernt. Ich verstehe meine Gefühle und Emotionen und kann sie auch meistens artikulieren. Wenn mich etwas bedrückt kann ich über das Bedrückende reden. Meistens sogar mit den Menschen die es betrifft. Außer sie lassen mich nicht. Dann habe ich zum Glück andere Menschen mit denen ich darüber reden kann. So verarbeite ich alles am besten. Darüber reden.

Ich habe nicht das Bedürfnis jeden Tag den besten Tag meines Lebens zu machen. Ich muss nicht jeden Tag Glücklich sein. Weil es eben Dinge gibt die mich unglücklich machen. Hass, Unwissenheit, Narzissmus, Egoismus, Sprachlosigkeit oder Missbrauch sind Dinge die in meinem Leben bzw. Umfeld vorkommen. Aber das ist OK. Wenn ich tatsächlich den Anspruch habe der glücklichste Mensch der Welt zu sein bin ich mit Sicherheit einer der unglücklichsten. Weil das Ziel kein gutes ist.

Vielleicht gehe ich etwas zu oft über meine Grenzen. Wenn ich es tue ist es mir meistens bewusst und ich versuche mir den Ausgleich dann irgendwo anders zu holen. Ich kann schon sehr gut auf mich aufpassen. Irgendwie zumindest…

Wenn ich mir meine Hoffnungen und Wünsche des letzten Jahres vergegenwärtige, kann ich wirklich von einem fantastischen Jahr sprechen. Es ist einfach wunderbar, dass so viele Dinge wirklich so gekommen sind wie erhofft. Job, Studium, Hund, Sport und natürlich mein privates Leben.

Danke an alle Menschen die diese Wege mit mir gehen.

Ich merke gerade mir wachsen Blumen aus dem Arsch. Ich höre besser auf.

Chewy Juni 2015
Chewy Juni 2015
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Als ich am 12. Oktober aufwachte

Wir Menschen mache Fehler. Im Idealfall machen wir den Fehler nicht zweimal. Wir lernen aus dem ersten Mal. Wie uns die Geschichte zeigt schaffen wir das leider nicht immer. Erstaunlicherweise scheinen wir gerade in politischen Belangen und Entscheidungen äußerst resistent gegenüber Erfahrung zu sein.

Es kommt also wie es kommen musste. Am 11. Oktober findet tatsächlich das politische Duell Häupl gegen Strache, SPÖ gegen FPÖ in Wien statt. Ein Duell zwischen zwei grundverschiedenen politischen Ideologien.

Dass es soweit kommen kann macht mir Angst. Keine unbegründete, durch Hetze und Verleumdung geschaffene Angst. Eine reale Angst vor der Zukunft dieser Stadt – meiner Zukunft.

Ich habe Angst vor der realen Chance, dass ein Mann mit einer Partei den Ersten Platz erlangt, die ein menschen-verachtendes Weltbild vertritt. Ein Weltbild das in gute und schlechte Menschen unterteilt. Nicht etwa aufgrund eines gelebten Lebens, sondern anhand des Geburtslandes. Eine Partei die außer Skandalen (Hypo Alpe Adria, Wiederbetätigung, uvm.) und fremd verschuldeter Wahlerfolgen nichts vorweisen kann. Eine Partei die lieber mit Ängsten spielt als Hoffnung zu geben. Eine Partei mit einem Blender an der Spitze der viel redet aber nichts dabei sagt.

Wenn ich am 12. Oktober aufwache…

Ich habe Angst davor am 12. Oktober aufzuwachen und 1500 Uniformierte „Schutzbeamte“ in Wien zu sehen die dieser Partei unterstehen. Was werden diese „Schutzbeamte“ schützen? Demokratie und Meinungsfreiheit? Oder werden sie genau das zu stören versuchen? Wozu braucht ein Mann in einer der sichersten Städte der Welt eine eigene „Schutztruppe“?

Ich habe Angst davor am 12. Oktober in einem Wien aufzuwachen, in dem man ausgrenzt statt einlädt. Wien ist ein wunderbarer Schmelztiegel unzähliger Nationen und Kulturen. Eine Stadt mit vielen bunten Flecken. Eine soziale und lebenswerte Stadt. Eine Stadt die seit vielen Jahren in Folge die lebenswerteste Stadt der Welt ist. All das darf nicht durch einen unbedachten Moment zunichte gemacht werden. Genau das wird aber mit einer ausgrenzenden Partei passieren. Die bunten Flecken werden verschwinden.

Ich habe Angst davor am 12. Oktober aufzuwachen und mit ansehen zu müssen wie Menschen um ihre Existenz fürchten weil ihr Pass nicht der österreichische ist. Menschen werden noch öfter kontrolliert und schikaniert werden weil ihre Hautfarbe etwas dunkler ist als die meine. Wien wird auf die treten die schon ganz unten sind. Weil genau das fordert diese Partei. Statt Probleme wirklich zu lösen werden Sündenböcke gesucht.

Heute ist aber noch nicht der 11. Oktober darum ist meine Hoffnung stärker als die Angst.

Die Hoffnung, dass es genug Menschen in Wien gibt die ihre Lektionen aus der Geschichte gelernt haben. Noch haben wir die Chance für Vielfalt und Zukunft zu stimmen und damit gegen Ausgrenzung und Rückschritt zu entscheiden.

Wien darf nicht Oberösterreich werden!