Was wir glauben wollen

Wie jeden Morgen gehe ich ins Internet um Zeitung zu lesen. Das mache ich eigentlich nur mehr online, weil ich die Kommentare eine tolle Ergänzung zu den Artikeln finde. Ich denke, dass man unter den Kommentarschreibern einen ziemlich guten Schnitt der Gesellschaft findet. Vor allem wenn man unterschiedliche Zeitungen liest.

Zu den Kommentaren fallen mir Wörter wie informativ, bereichernd und unterhaltsam ein. Viele Kommentare sind allerdings auch wirklich erschütternd bzw. fragt man sich wie kommen Menschen auf solche Ideen und wie kann man das wirklich glauben?

Was wir glauben wollen

Verschwörungen, Unwahrheiten, Manipulation und Unwissen hat es schon immer gegeben. Menschen die genau das missbrauchen um sich zu bereichern oder Macht auszuüben gab es auch schon immer. Was es allerdings noch nicht immer gab ist mehr oder weniger das gesamte gesammelte Wissen der Welt auf Knopfdruck zu bekommen. Wenn wir etwas nicht wissen können wir danach suchen. Wenn wir es nicht finden können haben wir noch immer die Möglichkeit, Menschen zu fragen die es wissen. Das Internet macht es möglich.

Allerdings ist nicht alles was wir im Internet finden von hoher Qualität und vertrauenswürdig. Zu erkennen was „richtige“ und „falsche“ Information sind können wir lernen. Das zu vermitteln sollte in der Schule eine zentrale Rolle einnehmen. Wenn wir es in der Schule nicht gelernt haben sollten wir uns das Wissen durch Freunde oder professionelle Schulungen aneignen. Tun wir das nicht laufen wir Gefahr Scharlatanen, Betrügern und Blendern auf den Leim zu gehen.

Es gibt selten leichten Lösungen für komplizierte Probleme, ewiges Glück, schnelles Geld, absolute Gesundheit, ewige Jugend, dauerhaft schlank und fit durch Pulver kurz gesagt: Dinge die zu gut klingen um wahr zu sein. Meistens sind sie genau das nicht – Wahr.

Ernährung

Für viele Menschen ist das Thema rund um Ernährung ein sehr Zentrales. Informationen über Superfoods, Diäten, Ernährungspläne und Nahrungsergänzungsmittel  überschwemmen uns. Was wir dürfen oder nicht dürfen ändert sich wöchentlich. Wir sind verwirrt und die Firmen machen ordentlich Geld mit unserer Verwirrtheit. Statt unser Gehirn einzuschalten und den guten alten Hausverstand zu bemühen glauben wir den Marketingabteilungen. Hauptsache es ist bio, vegan, nachhaltig, gesund und was weiß ich was noch alles. Ob das stimmt ist uns egal. Weil wirklich nachprüfen tun wir in den seltensten Fällen. Der studierte Marketingleiter wird das schon wissen. Fakten und wissenschaftliche Tatsachen spielen im Alltag leider oft eine untergeordnete Rolle.

Gesundheit

In Zeitschriften und Internet finden wir enorm viele Informationen über Gesundheit. Was tut uns gut oder was schadet uns. Das Angebot ist mittlerweile unüberschaubar. Uralte traditionelle Heilmethoden die wiederentdeckt werden sprießen aus dem Boden wie Pilze (man fragt sich natürlich nicht warum sie vergessen wurden oder schlicht weg nach einiger Zeit nicht mehr praktiziert wurden). Wir vertrauen dem Placebo oft mehr als Studien von Medikamenten oder Behandlungsmethoden, weil die alle von bösen Konzerngiganten kommen. Nicht falsch verstehen. Ich bin kein sonderlich großer Fan der Pharmaindustrie. Die haben schon wirklich Dreck am Stecken. Trotzdem gibt es Studien denen man vertrauen kann. Das zu erkennen kann man ebenfalls lernen. Wenn man das nicht will gibt es Menschen und Organisationen die einem sagen welche Studien „gut“ und welche „schlecht“ sind. Aber es darf doch nicht sein, dass uns die Angst und Unwissenheit lieber zu Mitteln oder Behandlungen greifen lässt, die absolut keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhält. Wenn nämlich nix drinnen oder dran ist kann im Körper nicht wirklich viel passieren. Wie gesagt Placebo ist toll aber keine Heilmethode. Sich darauf zu verlassen ist wie einem Blinden Taxifahrer zu vertrauen sicher zum Flughafen zu kommen.

Wissen

Wie vorhin schon erwähnt haben wir das gesammelte Wissen dieser Erde quasi per Knopfdruck. Leider aber auch falsches „Wissen“ das gut getarnt sein Unwesen treibt. Immer wieder fallen Menschen auf Seiten rein die angeblich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit schreiben bzw. auf YouTube zeigen. Meistens sind es gute Rhetoriker die verstehen ein Publikum zu gewinnen. Inhalte werden so verpackt, dass sie auf den ersten Blick wie eine Offenbarung wirken – „endlich spricht einer mal Klartext!“. Eingelullt durch Floskeln und unsere innersten Ängste nährend wird uns falsches, ja gefährliches Wissen vermittelt. Von Klarheit ist bei einer genaueren Betrachtung keine Spur mehr.

Aber es gibt Schlagwörter die immer wieder gerne genannt werden. Der Begriff Lügenpresse und Manipulation sind gern genannte Begriffe in Zusammenhang mit ORF, Standard, Presse, Falter usw. Wer die gängigen Medien konsumiert um sich zu bilden oder sich über das Weltgeschehen zu informieren erfährt nichts als Lügen. Generell darf man einfach niemandem trauen. Nicht den Politikern und schon gar nicht der EU. Überall werden Gefahren und Verschwörungen gesehen. Zum Glück gibt es aber einige Menschen die den Durchblick haben. Diese teilen dann ihr „geheimes und exklusives“ Wissen mit uns durch das Internet. Da lesen wir dann über Chemtrails, Impfverschwörung oder wie kleine mächtige Gruppierungen alles unterwandern und nach der absoluten Macht streben.

Fazit

Wir haben die Möglichkeit unsere Informationen zu prüfen. Tun wir das nicht laufen wir Gefahr uns manipulieren zu lassen. Im besten Fall verlieren wir nur Geld das wir dann Scharlatanen und Betrügern geben. Schlimmer ist es wenn wir durch Unwahrheiten bzw. Unwissen unsere Gesundheit oder die Gesundheit unserer Mitmenschen gefährden. Genau so schlimm ist es wenn wir uns durch gefährliche Ideologien manipulieren und diese leichtfertig verbreiten.

Ich denke jeder hat die Aufgabe gegen Verschwörungen, Unwahrheiten, Ungerechtigkeit, Manipulation und Unwissen aufzustehen. Nur wenn wir darüber mit den Menschen reden haben wir die Chance etwas zu verändern.

 

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Inside Michael

Vor einem Jahr wurde ich 30. Damals sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen die ich in Turning 30 niedergeschrieben habe. Vieles beziehungsweise alles was mir damals durch den Kopf ging kann ich heute noch so unterschreiben.

Ich finde es sehr faszinierend. Vor meinem 30er hat sich sehr viel in meinem Leben verändert. Es ändert sich immer was, damals war es allerdings besonders viel auf einmal. Zum 30er hatte ich das unbändige Gefühl, meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Ob es mit dem runden Geburtstag an sich zu tun hatte kann ich heute nicht mehr genau sagen. Vermutlich war es aber der Auslöser, der bei mir sehr viel in Bewegung gebracht hat. Angefangen vom Job, Studium, Hund, Sport und natürlich mein privates Leben. Alles hat sich vollkommen gewandelt. Mit diesen äußeren Veränderungen haben sich aber auch viele Dinge in mir geändert.

Viele Menschen sagen mir ich kenne meine Grenzen nicht. Sie sagen mir immer wieder folgendes. Ich übertreibe in vielen Dingen die ich tue und schlussfolgern, dass es mir dabei nicht gut gehen kann. Ich lebe ständig in der Überforderung und versuche alles unter einen Hut zu bringen. Dabei vergesse ich auf mich selber zu hören. Viel schlimmer noch. Ich höre besser auf die Bedürfnisse der Menschen um mich herum, als auf meine eigenen.

Verständlicher Weise habe ich da eine andere Sicht der Dinge, beziehungsweise will das nicht als Negativum sehen.

Ich denke ich bin wie viele andere Menschen in Österreich. Grundlegend bin ich sehr zufrieden und glücklich mit meinem Leben. Immer wieder habe ich mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Ich bin auch manchmal Unglücklich über Gewisse Situationen und Gegebenheiten. Oder ich habe einen schlechten Tag in dem mich viele Dinge nerven. Mich nervt vieles in der Politik, Wirtschaft und der Umgang der Menschen miteinander. Deswegen bin ich aber nicht jeden Tag traurig oder wütend. So wie der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr sagte:

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über mich gelernt. Ich verstehe meine Gefühle und Emotionen und kann sie auch meistens artikulieren. Wenn mich etwas bedrückt kann ich über das Bedrückende reden. Meistens sogar mit den Menschen die es betrifft. Außer sie lassen mich nicht. Dann habe ich zum Glück andere Menschen mit denen ich darüber reden kann. So verarbeite ich alles am besten. Darüber reden.

Ich habe nicht das Bedürfnis jeden Tag den besten Tag meines Lebens zu machen. Ich muss nicht jeden Tag Glücklich sein. Weil es eben Dinge gibt die mich unglücklich machen. Hass, Unwissenheit, Narzissmus, Egoismus, Sprachlosigkeit oder Missbrauch sind Dinge die in meinem Leben bzw. Umfeld vorkommen. Aber das ist OK. Wenn ich tatsächlich den Anspruch habe der glücklichste Mensch der Welt zu sein bin ich mit Sicherheit einer der unglücklichsten. Weil das Ziel kein gutes ist.

Vielleicht gehe ich etwas zu oft über meine Grenzen. Wenn ich es tue ist es mir meistens bewusst und ich versuche mir den Ausgleich dann irgendwo anders zu holen. Ich kann schon sehr gut auf mich aufpassen. Irgendwie zumindest…

Wenn ich mir meine Hoffnungen und Wünsche des letzten Jahres vergegenwärtige, kann ich wirklich von einem fantastischen Jahr sprechen. Es ist einfach wunderbar, dass so viele Dinge wirklich so gekommen sind wie erhofft. Job, Studium, Hund, Sport und natürlich mein privates Leben.

Danke an alle Menschen die diese Wege mit mir gehen.

Ich merke gerade mir wachsen Blumen aus dem Arsch. Ich höre besser auf.

Chewy Juni 2015
Chewy Juni 2015

Weniger Arbeiten ist mehr Leben

Ich habe den ersten Monat hinter mir, in welchem ich nur mehr 25 Stunden die Woche arbeite. In der Theorie klingt das super. Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 13 Uhr arbeiten. Damit mir in der – theoretisch – gewonnenen Zeit nicht langweilig wird habe ich ein Studium angefangen.

Was lehrt mich das vergangene Monat?

Es gibt mehrere Erkenntnisse die ich wohl vermutet aber gekonnt, wie immer, verdrängt habe. Dazu zählen das Geld, der Arbeitsaufwand und das schlechte Gewissen.

Fangen wir mit dem schlechten Gewissen an. Es ist schon ziemlich erstaunlich was im Gehirn passiert wenn man vor den Kollegen und Kolleginnen heim geht.

  • „Ach du gehst jetzt schon heim? Da bin ich neidisch.“
  • „Ah du hast es gut.“

Bei mir stellt sich da automatisch ein schlechtes Gewissen ein. Da kann natürlich keiner außer mir was dafür. Wissen dass es vollkommen in Ordnung ist, tue ich ja. Es ist tatsächlich so, dass ich jeden Tag das Gefühl habe etwas „Verbotenes“ zu tun und die Kolleginnen und Kollegen im Stich zu lassen. Da muss ich wirklich dran arbeiten.

Der nächste Punkt ist der Arbeitsaufwand. Es war komplett illusorisch zu glaube, dass sich der Arbeitsaufwand mit den Stunden verringern wird. Ich mache genau das Gleich wie mit 40 Stunden, habe aber nur mehr 25 Stunden Zeit. Ich habe keine Ahnung wie ich das bisher schaffe. Ich befürchte irgendwann werde ich hier ins straucheln geraten. Natürlich versuche ich den Aufwand an sich zu reduzieren, nur ist das nicht so leicht wie ich mir anfänglich gedacht habe.

Der letzte Punkt ist das Geld. Natürlich verdiene ich mit 25 Stunden weniger als mit 40 Stunden. Eh klar. Ich habe versucht meine Fixkosten im Vorfeld so weit wie möglich zu reduzieren. Trotzdem bin ich im ersten Monat gleich einmal ordentlich über mein Budget geschossen. Alles scheint plötzlich was zu kosten. Oder schaue ich einfach nur wieder mehr darauf. Ich denke, dass sich das schon einpendeln wird. Jetzt wo ich gesehen habe wie schnell das Konto leer wird muss ich halt wirklich noch besser aufpassen was geht und was eben nicht mehr geht. Vor allem hoffe ich wirklich, dass wir in absehbarer Zeit eine niedrigere Miete bekommen!

Auch wenn es einige Punkte gibt die ich mir so nicht erwartet bzw. verdrängt habe bin ich wirklich froh diesen Schritt gewagt zu haben. Ich  werde alles dafür tun, dass sich der Arbeitsaufwand verringert, ich besser auf mein Geld schaue und ich das schlechte Gewissen abstelle. Ist das geschafft werde ich vielleicht die verringerte Arbeitszeit auch tatsächlich merken.

Chewy and Me
Chewy and Me

 

Als ich am 12. Oktober aufwachte

Wir Menschen mache Fehler. Im Idealfall machen wir den Fehler nicht zweimal. Wir lernen aus dem ersten Mal. Wie uns die Geschichte zeigt schaffen wir das leider nicht immer. Erstaunlicherweise scheinen wir gerade in politischen Belangen und Entscheidungen äußerst resistent gegenüber Erfahrung zu sein.

Es kommt also wie es kommen musste. Am 11. Oktober findet tatsächlich das politische Duell Häupl gegen Strache, SPÖ gegen FPÖ in Wien statt. Ein Duell zwischen zwei grundverschiedenen politischen Ideologien.

Dass es soweit kommen kann macht mir Angst. Keine unbegründete, durch Hetze und Verleumdung geschaffene Angst. Eine reale Angst vor der Zukunft dieser Stadt – meiner Zukunft.

Ich habe Angst vor der realen Chance, dass ein Mann mit einer Partei den Ersten Platz erlangt, die ein menschen-verachtendes Weltbild vertritt. Ein Weltbild das in gute und schlechte Menschen unterteilt. Nicht etwa aufgrund eines gelebten Lebens, sondern anhand des Geburtslandes. Eine Partei die außer Skandalen (Hypo Alpe Adria, Wiederbetätigung, uvm.) und fremd verschuldeter Wahlerfolgen nichts vorweisen kann. Eine Partei die lieber mit Ängsten spielt als Hoffnung zu geben. Eine Partei mit einem Blender an der Spitze der viel redet aber nichts dabei sagt.

Wenn ich am 12. Oktober aufwache…

Ich habe Angst davor am 12. Oktober aufzuwachen und 1500 Uniformierte „Schutzbeamte“ in Wien zu sehen die dieser Partei unterstehen. Was werden diese „Schutzbeamte“ schützen? Demokratie und Meinungsfreiheit? Oder werden sie genau das zu stören versuchen? Wozu braucht ein Mann in einer der sichersten Städte der Welt eine eigene „Schutztruppe“?

Ich habe Angst davor am 12. Oktober in einem Wien aufzuwachen, in dem man ausgrenzt statt einlädt. Wien ist ein wunderbarer Schmelztiegel unzähliger Nationen und Kulturen. Eine Stadt mit vielen bunten Flecken. Eine soziale und lebenswerte Stadt. Eine Stadt die seit vielen Jahren in Folge die lebenswerteste Stadt der Welt ist. All das darf nicht durch einen unbedachten Moment zunichte gemacht werden. Genau das wird aber mit einer ausgrenzenden Partei passieren. Die bunten Flecken werden verschwinden.

Ich habe Angst davor am 12. Oktober aufzuwachen und mit ansehen zu müssen wie Menschen um ihre Existenz fürchten weil ihr Pass nicht der österreichische ist. Menschen werden noch öfter kontrolliert und schikaniert werden weil ihre Hautfarbe etwas dunkler ist als die meine. Wien wird auf die treten die schon ganz unten sind. Weil genau das fordert diese Partei. Statt Probleme wirklich zu lösen werden Sündenböcke gesucht.

Heute ist aber noch nicht der 11. Oktober darum ist meine Hoffnung stärker als die Angst.

Die Hoffnung, dass es genug Menschen in Wien gibt die ihre Lektionen aus der Geschichte gelernt haben. Noch haben wir die Chance für Vielfalt und Zukunft zu stimmen und damit gegen Ausgrenzung und Rückschritt zu entscheiden.

Wien darf nicht Oberösterreich werden!

The Sky is the Limit

But there are footprints on the Moon!

Das Erste das ich höre als ich vor knapp 3 Wochen mit einem Kletterkurs in der Halle begonnen habe ist:“Mittlerweile ist Klettern ein Massensport. Das macht schon jeder.“ Da war ich gleich top motiviert bei der Sache.

Gut, dass ich etwas spät dran bin habe ich mir schon irgendwie denken können. Vor allem da vor 3-5 Jahren jeder im Kletterhype war, wenn man Facebook glaubt. Aber besser spät als nie oder? Also habe ich mich nicht entmutigen lassen. Soll es doch jeder machen. Ich jetzt halt auch!

Als kleiner Bub war kein Baum zu groß und keine Wand zu steil. Im Notfall wurde von Balkon zu Balkon geklettert. Hauptsache wo rauf, bei jeder Gelegenheit. Generell war klettern schon immer in mir drinnen, wenn ich so auf meine Kindheit schaue. Leider habe ich das Klettern aus den Augen verloren.

Das letzte Mal als ich „klettern“ war,war  2008 in Dublin. Ich bin in den Klippen herumgeklettert. Irgendwo auf einem kleinen Vorsprung komme ich mit einem gleichaltrigen ins Gespräch. Wir waren die einzigen die in den Klippen unterwegs waren. Es stellte sich heraus, dass er aus Österreich war und hier studiert. Klettern scheint doch was sehr „österreichisches“ zu sein.

Seitdem halten sich meine Klettererfahrungen im Erwachsenenalter sehr in Grenzen. Bis eben vor besagten drei Wochen.

Der Tag war wie eine Befreiung. Ich habe etwas gefunden was ich im laufe der Zeit verloren habe. Ein wunderbares und unbeschreibliches Gefühl der inneren Zufriedenheit. Sobald ich an der Wand bin fügt sich alles wie von selber zusammen. So als wäre es das natürlichste auf der Welt.

Ob gerade der anfängliche Enthusiasmus spricht oder langfristige Begeisterung wird die Zeit zeigen. Für den Moment ist es der absolute Wahnsinn und ich würde am liebsten 24/7 in der Halle verbringen. Wenn da nicht der Muskelkater und die schmerzenden und wunden Finger wären. Da muss man wohl oder übel auch mal eine Pause machen.

Ich freue mich auf den Moment an dem ich zum ersten Mal im freien Klettern werde. Jetzt erst mal den Kurs fertig machen und viel, sehr viel üben.

Nanga-Parbat
Nanga-Parbat

Ganzheitlich

Seit einiger Zeit höre ich immer wieder das Wort „Ganzheitlich“. Es wird in Zusammenhang mit den unterschiedlichsten Themen verwendet. Sei es in Organisationensentwicklung, Medizin, Ernährung, Personalmanagement, Hundeerziehung oder jedes andere X-beliebige Thema.

Mir hat dieses Wort bis vor kurzem genau gar nichts gesagt. Deshalb habe ich mich mal darüber schlau gemacht. Wikipedia sagt dazu zum Beispiel:

„Der Begriff Ganzheitlichkeit ist von dem Abstraktum Ganzheit des Adjektivs ganz abgeleitet, das sich in der deutschen Sprache bereits vor dem 8. Jahrhundert n. Chr. nachweisen lässt. „Ganz“ bedeutet ursprünglich heil, unverletzt und vollständig. Ganzheitlichkeit ist demnach die Betrachtung einer Sache in der systemischen Vollständigkeit aller Teile sowie in der Gesamtheit ihrer Eigenschaften und Beziehungen untereinander.“

Das ist klar und logisch. Es ist auch durchaus plausibel, dieses Wort in den unterschiedlichsten Themen unterzubringen. Ganz, ursprünglich, vollständig und unverletzt sind tolle Eigenschaften für ein Wort.

Trotzdem habe ich ein gewaltiges Problem mit diesem Wort.

Es gibt solche Wörter mit denen kann man absolut nichts anfangen. Man versteht das Wort an sich kann aber mit dessen Bedeutung nichts anfangen. Es geht sogar soweit, dass einen das Wort abstößt.

Mir geht es so bei dem Wort „Ganzheitlich“. Jedes Mal wenn jemand „Ganzheitlich“ verwendet fällt es mir schwer, dem weiteren Inhalt zu folgen. Egal wie sinnvoll oder Sinnlos das Folgende auch ist.

Jetzt frage ich mich natürlich woher die Ablehnung gegenüber diesem Wort wohl kommt. Ich denke ich habe es zu oft in Zusammenhang mit Esoterik und Verschwörungstheorien gehört oder gelesen. Wenn ich „Ganzheitlich“ höre verbinde ich es automatisch mit diesen zwei Themen.

Da dieses Wort anscheinend das neue Modewort geworden ist sollte ich wohl dringend daran arbeiten einen positiven Bezug dazu herzustellen.

Ganzheitlich
Ganzheitlich

Endstation

Mir geht das Wort – Ende – nicht aus dem Kopf. Es verfolgt mich in der letzten Zeit immer wieder einmal. Dann kreist dieses Wort in den unterschiedlichsten Variationen durch meine Gedanken.

Jede Beziehung zwischen Menschen, Mensch und Tier oder auch Mensch und Arbeit hat einen Anfang und somit auch unweigerlich ein Ende. Die Enden sind vielfältig. Mache Enden sind dem natürlichen Lauf des Lebens geschuldet. Das Haustier stirbt an Krankheit oder alter. Genau so wie die Großeltern und Eltern irgendwann einmal sterben werden.

Die Beziehung endet weil man unterschiedliche Wege einschlägt. Der eine geht nach rechts und der andere nach links. Die Beziehung ist dann vorbei wenn eine der beiden Seiten das so will. Beziehungen zu Haustieren sind ausgenommen. Da ist es wohl immer der Mensch der die Beziehung vorzeitig beendet.

Manchmal ist das Ende einer Beziehung notwendig um etwas neues entstehen zu lassen. Oder auch um etwas verlorenes wieder zu entdecken. Genau so wie der Tot einer Person die Freiheit für eine andere bedeuten kann weil er nie die Kraft hatte von sich aus zu gehen.

Somit sind Enden nicht automatisch schlecht, auch wenn sie oft mit Schmerz verbunden sind. Hat man den Schmerz einmal überstanden und gut verarbeitet kann man gestärkt aus der Situation hervor gehen.

Man nütze das Ende um sich persönlich weiter zu entwickeln.

Licht am Ende des Tunnels
Licht am Ende des Tunnels

 

Chewy – we are home

Are we?

Chewy und ich haben das Wochenende in Tirol verbracht. Der Platz auf der Welt an dem ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe. Macht diese Tatsache Tirol zu meiner Heimat, meinem zu Hause, meinen Wurzeln?

Ohne Frage ist es ein Ort an dem ich mich wohl fühle. Ich fahre gerne nach Innsbruck, Wattens oder Schwaz. Orte mit denen unzählige Erinnerungen verbunden sind. Orte an denen Freunde leben die ich gerne sehe. Orte an denen teile meiner Familie wohnen.

Gestern als wir am Berg gestanden sind und sich unter uns das Inntal und der Achensee ausgebreitet haben, dachte ich mir nur wie wunderschön dieser Flecken Erde ist.

Achensee Tirol
Achensee Tirol

Jetzt sitze ich im Zug nach Wien. Ich freue mich wieder auf die Stadt. Wenn ich am Kalenberg stehe und sich Wien vor mir ausbreitet, denke ich mir ebenfalls wie wunderschön dieser Flecken Erde ist. Ein Ort an dem teile meiner Familie wohnen, ich Freunde habe und mittlerweile unzählige Erinnerungen habe.

Ich glaube ich bin kein Tiefwurzler. Ich denke nicht mal, dass ich ein Flachwurzler bin. Wenn ich das so nennen kann. Wenn ich länger an einem Ort bin und mich wohl fühle wird es mein zu Hause. Da macht es für mich keinen Unterschied ob es 4 Tage London, 4 Tage Berlin, 4 Tage Tirol oder 3 Jahre Wien sind.

Meine Wurzeln sind meine Familie und Freunde egal wo sie Wohnen und egal wie oft ich sie sehe.

Dem Begriff Heimat kann ich wenig abgewinnen. Ich brauche den Begriff nicht um glücklich zu sein. Schöne Plätze auf der Welt gibt es überall.

Guten Abend

Was mit guten Morgen anfängt sollte im Idealfall mit guten Abend enden. Wer kennt Fred Feuerstein noch? Ich meine eine ganz spezielle Szene im Vorspann  wo die „Glocke“ läutet und die Arbeit aus ist. Da ruft Fred ganz laut: „yabba dabba doo!“. In der Arbeit haben wir nicht so eine tolle Glocke. Würde auch nix bringen. Ich gehe dann wenn ich mit der Arbeit die ich mir vorgenommen habe fertig bin. Aber wenn ich damit fertig bin läutet meine innere Glocke und ich denke mir ganz laut yabba dabba doo! Jetzt kann der Abend beginnen.

Ich steige aus der Straßenbahn aus Ecke Taborstraße/Heinestraße. Gehe ich nach links gleich in den Augarten? Oder gehe ich erst nach rechts kurz Heim? Im Prinzip ist es egal. Links wird ein gemütlicher Spaziergang. Rechts ziehe ich mir das Laufgewand an und es wird eine etwas schnellere Runde. Chewy bevorzugt letzteres.

Letztens war ich nach der Arbeit aber am Wolfersberg. Der ist im 14. Bezirk in Wien. Ein sehr schönes Fleckchen Erde. Vielleicht ein wenig zu weit ab vom Schuss… Jedenfalls war ich, wie eigentlich jeden Tag, spazieren. Das Wetter war herrlich. Blauer Himmel, wunderschöne Wolken und die Sonne langsam am untergehen. Die zwei Hunde laufen durch das hohe Gras. Alles zusammen ein herrlicher Anblick der absolute Zufriedenheit hervorruft. So ist es eigentlich fast immer wenn ich nach der Arbeit spazieren gehe. Unabhängig von Ort und Wetter. Es macht mich zufrieden und lässt mich abschalten. Nur in ganz seltenen Fällen muss ich mich dazu zwingen raus zu gehen.

Chewy und Selim am Wolfersberg
Chewy und Selim am Wolfersberg

Zu einem guten Abend gehört für mich vor allem das Gefühl alles Wichtige erledigt zu haben. Dann schalte ich ab. Lasse es mir einfach gut gehen und mache das worauf ich gerade Lust habe. Das alles fällt mir seit ich einen Hund habe leichter als davor. Auch wenn der Hund ab und an der Grund ist warum eben noch nicht alles erledigt ist. Aber nur sehr selten.

 

Es war anders

Heute ist im Standard ein Userkommentar veröffentlicht worden Optimistisch oder ängstlich und mutlos? Das ist nicht der erste Artikel den ich zu diesem oder sehr ähnlichen Themen lese. Solche findet man in jeder größeren Zeitung ob englisch- oder deutschsprachig. Einmal sehr positiv ob der ganzen Chancen andererseits eher negativ da alles sehr unsicher wirkt. Ich habe vor kurzem ein interessantes Gespräch mit meinem Vater gehabt. Da ging es auch über das Thema Zukunft der Jugend und jungen Erwachsenen. Also meine Generation.

Wenn ich auf die Generation meines Vaters schaue, dann wird mir sehr schnell klar, dass sich sehr viel verändert hat. In allen Lebensbereichen die man sich so vorstellen kann. Als mein Vater 30 war hatte er berufsbegleitend ein zweites Studium abgeschlossen. Diese Tatsache erlaubte ihn sich mehr oder weniger mehrere Jobs aus zu suchen. Alle gut bezahlt, sicher und mit Aussicht auf Karriere. Die Frage war nur welchen man nimmt und wo man dann hin übersiedelt. Mit 30 war mein Vater verheiratet und hatte schon zwei Söhne. Der Dritte Sohn war quasi schon auf dem Weg. Ein Auto so wie eine passende Wohnung für eine Familie war finanziell ebenso drinnen als Alleinverdiener wie der jährliche Urlaub. Wenn du damals studiert hast dann war das alles möglich. Mit 30 Jahren.

Wenn ich jetzt meine Generation anschaue gibt es dieses klassische Bild nicht mehr wirklich. Wer von uns hat mit 30 einen Job wo er eine fünfköpfige Familie alleine erhalten kann? Wer einen wirklich gut bezahlten Job hat kann sich nebenbei eine 5 köpfige Familie vorstellen? Wer von uns kann sich einen Job unter mehreren Angeboten aussuchen? Wer von uns will das überhaupt alles mit 30?

Ich habe bis ich 27 Jahre alt war studiert. Für mich war immer klar dass ich das so will bzw. es hat sich schlussendlich auch einfach so ergeben. Jetzt fange ich mit 30 noch ein zweites Studium neben meinem 38 Stunden Job an. Ich könnte aber auch eine Weltreise machen, mit dem Fahrrad durch Europa touren, mich mit einem Kebabstand selbstständig machen, in jedem Land der EU ohne größere Probleme ein neues zu Hause finden oder was auch immer ich will. Das kann ich weil ich ungebunden bin, nicht viel zum Leben brauche und weil es die heutige Zeit einfacher macht als früher.

Diese Freiheit und Vielfalt an Möglichkeiten kommt mit einer Bedingung. Einen Job nach dem Studium finden dauert ca. 6 Monate in denen man unzählige Bewerbungen schreibt. Den Job aussuchen können sich nur jene die etwas studiert haben das im Moment wirklich gefragt ist. Im Normalfall kann man mit dem gefundenen Job nicht alleine eine Familie ernähren. Genau genommen ist es schon schwierig zwei Menschen mit einem Gehalt über die Runde zu bringen. Vor allem aber will keiner mehr (zumindest in meinem Umfeld) nur zu Hause sein. Jeder will finanziell unabhängig sein und das ist auch gut und richtig. Da wird Familie, Auto, große Wohnung, Urlaub und vor allem gemeinsame Zeit einfach nicht mehr wirklich vereinbar sein. Man muss sich entscheiden. Das ist in jeder Generation gleich. Die Auswahlmöglichkeiten, Bedingungen und vor allem Prioritäten ändern sich halt.

Es liegt an uns die vielfältigen Herausforderungen zu meistern und das Beste daraus zu machen. Wenn uns etwas nicht passt können wir immer auf die Straße gehen und eine Veränderung fordern. Wir müssen es halt auch machen. Wenn wir uns mit Brot und Spielen zufrieden geben ist das unsere Entscheidung.

Früher war es nicht besser oder einfacher. Es war genau genommen einfach nur anders.