Weniger Arbeiten ist mehr Leben

Ich habe den ersten Monat hinter mir, in welchem ich nur mehr 25 Stunden die Woche arbeite. In der Theorie klingt das super. Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 13 Uhr arbeiten. Damit mir in der – theoretisch – gewonnenen Zeit nicht langweilig wird habe ich ein Studium angefangen.

Was lehrt mich das vergangene Monat?

Es gibt mehrere Erkenntnisse die ich wohl vermutet aber gekonnt, wie immer, verdrängt habe. Dazu zählen das Geld, der Arbeitsaufwand und das schlechte Gewissen.

Fangen wir mit dem schlechten Gewissen an. Es ist schon ziemlich erstaunlich was im Gehirn passiert wenn man vor den Kollegen und Kolleginnen heim geht.

  • „Ach du gehst jetzt schon heim? Da bin ich neidisch.“
  • „Ah du hast es gut.“

Bei mir stellt sich da automatisch ein schlechtes Gewissen ein. Da kann natürlich keiner außer mir was dafür. Wissen dass es vollkommen in Ordnung ist, tue ich ja. Es ist tatsächlich so, dass ich jeden Tag das Gefühl habe etwas „Verbotenes“ zu tun und die Kolleginnen und Kollegen im Stich zu lassen. Da muss ich wirklich dran arbeiten.

Der nächste Punkt ist der Arbeitsaufwand. Es war komplett illusorisch zu glaube, dass sich der Arbeitsaufwand mit den Stunden verringern wird. Ich mache genau das Gleich wie mit 40 Stunden, habe aber nur mehr 25 Stunden Zeit. Ich habe keine Ahnung wie ich das bisher schaffe. Ich befürchte irgendwann werde ich hier ins straucheln geraten. Natürlich versuche ich den Aufwand an sich zu reduzieren, nur ist das nicht so leicht wie ich mir anfänglich gedacht habe.

Der letzte Punkt ist das Geld. Natürlich verdiene ich mit 25 Stunden weniger als mit 40 Stunden. Eh klar. Ich habe versucht meine Fixkosten im Vorfeld so weit wie möglich zu reduzieren. Trotzdem bin ich im ersten Monat gleich einmal ordentlich über mein Budget geschossen. Alles scheint plötzlich was zu kosten. Oder schaue ich einfach nur wieder mehr darauf. Ich denke, dass sich das schon einpendeln wird. Jetzt wo ich gesehen habe wie schnell das Konto leer wird muss ich halt wirklich noch besser aufpassen was geht und was eben nicht mehr geht. Vor allem hoffe ich wirklich, dass wir in absehbarer Zeit eine niedrigere Miete bekommen!

Auch wenn es einige Punkte gibt die ich mir so nicht erwartet bzw. verdrängt habe bin ich wirklich froh diesen Schritt gewagt zu haben. Ich  werde alles dafür tun, dass sich der Arbeitsaufwand verringert, ich besser auf mein Geld schaue und ich das schlechte Gewissen abstelle. Ist das geschafft werde ich vielleicht die verringerte Arbeitszeit auch tatsächlich merken.

Chewy and Me
Chewy and Me

 

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8 Gedanken zu “Weniger Arbeiten ist mehr Leben

  1. Andrea

    Du musst den Gedanken wirklich abstellen, etwas verbotenes zu tun. Du verdienst ja auch weniger als deine Kollegen. Ich arbeite auch „nur“ 35 Stunden und hab mir das schon länger abgewöhnt. Es gibt Tage, da bin ich aber auch länger als die andern Kollegen im Büro 🙂

    Und das mit dem Geld kenn ich zur zu gut…. Mich, zwei Katzen und alle zwei Wochen zwei Kinder mit 35 Stunden Gehalt durchbringen ist sehr schwer – vor allem wenn fast jedes Monat etwas ungeplantes als Ausgabe hinzukommt. Nach gut 7 Monaten kann ich aber sagen, dass es besser wird. Ausserdem gibts ja auch Urlaubs und Weihnachtsgeld. 🙂

    Ich wünsche dir auf alle Fälle dass du die Waage zwischen Arbeit und Studium gut halten kannst und dass auch Chewi nicht auf der Strecke bleibt.

    Vielleicht sieht man sich ja auch einem Doctor Who Treffen wieder…
    Andrea

  2. Ulli P.

    Willkommen im Club… Nach über einem Jahr Stundenreduktion strauchle ich immer noch damit, meinem Umfeld (und mir) klarzumachen, dass man in 20 Stunden nicht das erledigen kann, was man sonst in 40 Stunden macht und dass diese Entscheidung eben auch mit Einschränkungen (money, money, money) verbunden ist. Und dass wir ja den Rest des Tages nicht Däumchen drehen… Vergangenes Wochenende habe ich zwanzig Stunden mit dem Schreiben von Uni-Arbeiten verbracht… Das ist freilich eine private Entscheidung, aber manchmal ist es nett, wenn das Umfeld es zumindest „merkt“…

  3. Hey Michael,
    Das ist mal ein anderer Beitrag super. Ich versuche auch gerade meine Arbeitsstunden zu senken, zwar nicht so drastisch wie du, aber trotzdem von 40 auf nur 32 Stunden. Die Senkung der Fixkosten war bei mir kein Problem (Fitness- und Telefonvertrag gekündigt etc.). Wie sieht es momentan bei dir aus. Das würde mich wirklich interessieren, auch wenn der Beitrag etwas älter ist.

    1. Hallo Thomas,

      also ich bereue es keinen Tag den Schritt gemacht zu haben. Mittlerweile bin ich in Bildungskarenz und arbeite nur geringfügig da ich gerade die Masterarbeit schreibe. Denke danach würde ich gerne wieder um die 28-32 Stunden arbeiten. Finde das kommt aber immer sehr auf die Kollegen und Arbeitsumfeld an.

      Finanziell komme ich gut über die Runden. Kann mir sogar jeden Monat etwas zurück legen.

      Finde jedenfalls dass mein Leben an Qualität gewonnen hat und würde es nicht mehr rückgängig machen wollen. Es ist einfach ein riesiger Unterschied.

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