Es war anders

Heute ist im Standard ein Userkommentar veröffentlicht worden Optimistisch oder ängstlich und mutlos? Das ist nicht der erste Artikel den ich zu diesem oder sehr ähnlichen Themen lese. Solche findet man in jeder größeren Zeitung ob englisch- oder deutschsprachig. Einmal sehr positiv ob der ganzen Chancen andererseits eher negativ da alles sehr unsicher wirkt. Ich habe vor kurzem ein interessantes Gespräch mit meinem Vater gehabt. Da ging es auch über das Thema Zukunft der Jugend und jungen Erwachsenen. Also meine Generation.

Wenn ich auf die Generation meines Vaters schaue, dann wird mir sehr schnell klar, dass sich sehr viel verändert hat. In allen Lebensbereichen die man sich so vorstellen kann. Als mein Vater 30 war hatte er berufsbegleitend ein zweites Studium abgeschlossen. Diese Tatsache erlaubte ihn sich mehr oder weniger mehrere Jobs aus zu suchen. Alle gut bezahlt, sicher und mit Aussicht auf Karriere. Die Frage war nur welchen man nimmt und wo man dann hin übersiedelt. Mit 30 war mein Vater verheiratet und hatte schon zwei Söhne. Der Dritte Sohn war quasi schon auf dem Weg. Ein Auto so wie eine passende Wohnung für eine Familie war finanziell ebenso drinnen als Alleinverdiener wie der jährliche Urlaub. Wenn du damals studiert hast dann war das alles möglich. Mit 30 Jahren.

Wenn ich jetzt meine Generation anschaue gibt es dieses klassische Bild nicht mehr wirklich. Wer von uns hat mit 30 einen Job wo er eine fünfköpfige Familie alleine erhalten kann? Wer einen wirklich gut bezahlten Job hat kann sich nebenbei eine 5 köpfige Familie vorstellen? Wer von uns kann sich einen Job unter mehreren Angeboten aussuchen? Wer von uns will das überhaupt alles mit 30?

Ich habe bis ich 27 Jahre alt war studiert. Für mich war immer klar dass ich das so will bzw. es hat sich schlussendlich auch einfach so ergeben. Jetzt fange ich mit 30 noch ein zweites Studium neben meinem 38 Stunden Job an. Ich könnte aber auch eine Weltreise machen, mit dem Fahrrad durch Europa touren, mich mit einem Kebabstand selbstständig machen, in jedem Land der EU ohne größere Probleme ein neues zu Hause finden oder was auch immer ich will. Das kann ich weil ich ungebunden bin, nicht viel zum Leben brauche und weil es die heutige Zeit einfacher macht als früher.

Diese Freiheit und Vielfalt an Möglichkeiten kommt mit einer Bedingung. Einen Job nach dem Studium finden dauert ca. 6 Monate in denen man unzählige Bewerbungen schreibt. Den Job aussuchen können sich nur jene die etwas studiert haben das im Moment wirklich gefragt ist. Im Normalfall kann man mit dem gefundenen Job nicht alleine eine Familie ernähren. Genau genommen ist es schon schwierig zwei Menschen mit einem Gehalt über die Runde zu bringen. Vor allem aber will keiner mehr (zumindest in meinem Umfeld) nur zu Hause sein. Jeder will finanziell unabhängig sein und das ist auch gut und richtig. Da wird Familie, Auto, große Wohnung, Urlaub und vor allem gemeinsame Zeit einfach nicht mehr wirklich vereinbar sein. Man muss sich entscheiden. Das ist in jeder Generation gleich. Die Auswahlmöglichkeiten, Bedingungen und vor allem Prioritäten ändern sich halt.

Es liegt an uns die vielfältigen Herausforderungen zu meistern und das Beste daraus zu machen. Wenn uns etwas nicht passt können wir immer auf die Straße gehen und eine Veränderung fordern. Wir müssen es halt auch machen. Wenn wir uns mit Brot und Spielen zufrieden geben ist das unsere Entscheidung.

Früher war es nicht besser oder einfacher. Es war genau genommen einfach nur anders.

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