Das Leben der Anderen

Meine Augen sind offen obwohl sie brennen. Seit Stunden wach und keine Chance auf Schlaf. Jemand hat mir mal gesagt man soll aufstehen wenn man nicht einschlafen kann. Ich bleibe liegen und lasse meine Gedanken weiter ihre Kreise ziehen. Es ist nicht so als ob ich nicht versuchen würde sie aufzuhalten. Es gelingt nur einfach nicht. Also schreibe ich sie auf. Vielleicht ordnen sie sich dann leichter.

Die Fragen:

Warum machen wir das Leben anderer zu unserem eigenen? Bin ich als Mensch für andere verantwortlich auch wenn ich merke dass es mir dabei nicht gut geht? Bis zu welchem Punkt will ich mich verantwortlich fühlen? Bin ich egoistisch wenn ich meine Bedürfnisse kenne und nach ihnen handle? Wie weit kann man einem Menschen helfen der die Hilfe nicht haben will? Ist es ein Zeichen von gesunder Selbstreflexion diese Situation zu erkennen. Was ist aber wenn ich die Situation erkannt habe aber nicht handeln will oder kann?

Die Gedanken:

Ich glaube wir Menschen neigen dazu Dinge kompliziert zu machen. Das hat sicher mehrere Gründe. Zum Beispiel klammern wir uns an Gewohnheiten auch wenn wir eigentlich wissen, dass sie uns nicht gut tun. Aber sie geben uns Sicherheit in einer turbulenten Zeit. Auch wenn nur eine vermeintliche Sicherheit. Oder wie Bilbo sagt: „Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“ Trotzdem ist er gegangen. Das war auch gut so. Sonst hätte Sauron gewonnen. Vielleicht ist es bei uns nicht ganz so Weltverändernd wenn wir die Gewohnheit zurück lassen. Merken werden wir es aber erst wenn wir uns in Bewegung setzen.

Wir haben Stress weil es in unserer Zeit zum guten Ton gehört. Frag irgendwen auf der Straße und er wird sagen „Ich hab so einen Stress in der Arbeit, im Leben einfach überall“. Man muss es sagen denn ansonsten könnte man ja als Faul da stehen. Stress ist der gewünschte Normalzustand. Außer an 5 Wochen im Jahr. Aber selbst da findet man einen Grund um Stress zu haben. Der Urlaub MUSS schön sein und vor allem MUSS es jeder wissen.  Selbst wenn wir keinen wirklichen Stress haben sagen wir es uns so lange vor bis wir es selber glauben. Sollten wir dann mal wirklich Stress haben wundern wir uns wenn  wir „plötzlich“ Burnout haben. Das hat ja keiner kommen sehen. Sollte man nicht viel mehr Menschen nacheifern die ihr Leben so gestalten dass sie nicht gestresst sind aber dennoch alles schaffen was notwendig ist. Menschen die das Leben gehen und nicht rennen. Ankommen werden wir irgendwann alle am Ende. Machen dann halt außer Atem.

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel gelesen wo es um Roboter ging die immer mehr unseren Alltag gestalten. Anfänglich. Der Artikel nahm eine interessante Wendung. Die Conclusio des Artikels war, dass wir Menschen immer mehr zu Robotern werden. Durchorganisiert und durchgeplant bis in die letzte Haarspitze. Wir nehmen uns selber die Zeit zum frei Atmen. Ach das stimmt nicht. Wir planen natürlich Zeit zum frei Atmen ein. Hamm was sagen wir, eine Stunde am Tag? Das muss reichen.  Von 12 bis 12:30 und dann noch mal von 17:30 bis 18 Uhr. Blöd nur wenn es dann nicht klappt in diesem Zeitfenster. Ach morgen wird es schon klappen! Ansonsten bleibt ja noch das Wochenende. Nach Putzen, Einkaufen, Wäsche waschen und das erledigen sonstiger Verpflichtungen zu denen man unter der Woche nicht kommt. Blöd ist es dann wenn auf halber Strecke plötzlich die Luft ausgeht.

Die Lösung:

Gibt es eine? Vermutlich und für jeden wird es eine andere sein. Ich glaube aber dass es für alle eine Gemeinsamkeit gibt. Man muss sein Leben selber in die Hand nehmen. Für viele leichter gesagt als getan. Aber es ist nun mal das Einzige das uns einer Lösung wirklich näher bringen kann. Ansonsten wird uns sie Entscheidung abgenommen werden. Nämlich dann wenn der Körper auf seine Weise STOP schreit.

Ich wache auf. Das Schreiben hat offensichtlich geholfen. Ich ziehe mich an nehme meinen Stock und gehe aus der Türe. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Gandalf lächeln.

 

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2 Gedanken zu “Das Leben der Anderen

  1. Claudia

    sehr guter Beitrag!
    solche Gedanken hat man meist dann, wenn man nicht einschlafen kann… als würde das Gehirn nachts anders funktionieren 😉 (apropos: auch die besten Gespräche führt man oft spätnachts)
    ich denke häufig über solche Themen nach… wie viel die Gesellschaft vorschreibt, was man zu tun und wie man sich zu fühlen hat. wie du schon sagst, wenn man nicht angibt, Stress zu haben, muss man wohl faul sein. andererseits wird man oft auch regelrecht dazu gedrängt, Stress zu haben, weil beispielsweise nicht genug Mitarbeiter eingestellt werden, keine Deadlines gesetzt sind oder andere Menschen schlicht und einfach nicht Vorausdenken können.
    wir leben jetzt in einer Zeit, wo man ständig erreichbar sein muss (seit wann ist ein Bürojob dasselbe wie 24h-Bereitschaft bei der Rettung?!), sich ständig von einem Ort zum nächsten hetzt und dann auch noch die wenige Freizeit, die man hat, komplett ‘durchgeplant’ ist. wieso soll es unhöflich sein, jemandem abzusagen, wenn es einem selbst nicht gut geht mit dem Stress, den man sich für andere macht? es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man zuerst auf seine eigene Gesundheit schaut, denn erst wenn es einem selbst gut geht und man glücklich ist, kann man auch anderen helfen. sich für andere aufzuopfern bis nichts mehr von einem übrig ist, hat keinen Sinn. oft merkt man das – wenn überhaupt – aber leider erst zu spät.

    am schwierigsten ist es, das Ganze zu erkennen und dann aus dem Teufelskreis rauszukommen… denn Mitarbeiter, Familie und Freunde sind es gewohnt, dass man immer Ja sagt und sich für sie stresst. da wird man auf einmal komisch angeschaut, wenn man Nein sagt und erklärt, dass man einfach nur ein ruhiges Wochenende zuhause verbringen möchte – Serien schaun und lesen, mehr nicht. das berühmte ‘aber das gehört sich so’ sollte man sich nicht aufzwingen lassen… das Leben ist kurz und daher sollte man (zumindest) seine Freizeit so verbringen, wie es einen glücklich macht.

    PS: wie geht’s deinem goldenen Otter? 😉

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