IKEALAND

DAS IST EINE WAHRE GESCHICHTE. Die Ereignisse in diesem Blogeintrag haben 2014 in Wien  so stattgefunden. Auf Wunsch der überlebenden, wurden die Namen (falls welche vorkommen) geändert. Aus Respekt vor den Toten wird der Rest so geschrieben wie es sich tatsächlich zugetragen hat.

Als ich heute die Augen aufgeschlagen habe wusste ich instinktiv, dass etwas anders ist. Was genau konnte ich noch nicht sagen. Die Sonne brannte vom Himmel also konnte es nichts Gutes bedeuten. So schönes Wetter hat immer einen Haken. Zum Glück bin ich immer auf alles Eventualitäten gut vorbereitet. Egal was der Tag bringen wird. Medi Kit, Taschenlampe, Konserven, Axt und Longboard sind immer griffbereit. Gott sei Dank bin ich nicht paranoid.

Das schlechte Bauchgefühl wollte selbst nach einem ausgiebigen Frühstück nicht weichen. An dem ist es also nicht gelegen. Es musste was anderes im Busch sein. Da ich es aber nicht ausmachen konnte ging ich meinem Tagesplan nach. Allerdings vorbereitet – mit meinem Survival-Rucksack.

Lange habe ich es vor mir hergeschoben. Zu lange vielleicht. IKEA. Der Vorhof zur Hölle. Spätestens da hätte es bei mir klingeln sollen. Komisches Bauchgefühl – Vorhof zur Hölle. Aber gut in jedem guten Horrorfilm rennt die Blonde mit den Großen B… äh Augen in einen Raum ohne Ausweg.

Also setze ich mich in die U1 Richtung Leopoldau wo sich der IKEA Nord befindet. Der 22 Wiener Gemeindebezirk. Ich habe ja schon viel gehört. Gesehen habe ich es mit eigenen Augen noch nicht. Kagraner Platz. Die Straßenbahn ist aus unerklärlichen Gründen nicht gefahren. Am Horizont stiegen Rauchwolken auf. Vermutlich ist es an diesen gelegen dass öffentlich nichts mehr ging.

Plötzlich ging ein Ruck durch die wartende Menschenmenge. Erst dachte ich die Leute wollen zu Fuß Richtung IKEA. Doch ich sollte mich täuschen.

„Was soll der Scheiß – für was Zahl ich denn“ – meinte ein etwas dickerer Herr mit einer Dose Ottagringer in der Hand (9 Uhr morgens)

„Ur oasch – hatschen tun wir sicher nicht – wo samma denn?“ meinte eine Gruppe 15 jähriger Mädchen und starrten dabei auf ihre Smartphones.

Suderitis erkannte ich sofort. Bevor es mich erwischen sollte schwang ich mich auf mein Longboard und jagte der Masse davon. Glück gehabt dachte ich bei mir und ließ den Fahrtwind durch meine Haare streifen. Freiheit. The Lonesome Rider.

Am Horizont der Schriftzug des Grauens.

IKEA - Vorhof zur Hölle
IKEA – Vorhof zur Hölle

Keine Menschen. Nichts. Totenstille. Konnte es sein? Hat sich die Suderitis so schnell ausgebreitet? Irgendetwas war ganz und gar nicht in Ordnung. Zu Vorsicht packte ich das Longboard auf den Rucksack und nahm die Axt heraus. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Der Eingang war so gut wie Menschenleer. Nur drei Menschen (waren es noch Menschen?) standen apathisch in der Gegend rum. Sie schienen nicht zu wissen was sie hier wollen.

Eingang ins Verderben
Eingang ins Verderben

Ich wagte mich weiter vor. Geschafft die Treppen nach oben ebenfalls verweist. Außer eine kleine Verkäuferin die mich ängstlich anblickte. Sie scheint mir was sagen zu wollen. Ein Knacken im Hintergrund. Ein Lauter Ruf „Jacqueline – schnell Bleistifte Gratis!“ Zwei Wesen hasteten mit entstellten Fratzen an mir vorbei und stürzten sich auf die Bleistifte. Die Verkäuferin neben den Stiften hatte keine Chance. Da Jacqueline ca. 120kg auf die Waage bringt, wurde die Verkäuferin unter der Masse einfach zerquetscht. Ungläubig starrte ich auf die Szene. Blut überall Blut.

Was zum Teufel ist gerade passiert? Suderitis mit einer ausgewachsenen Konsumitis? Konnte es das geben? Das würde die verzückten aber auch gleichzeitig grantigen Fratzen der beiden Wesen erklären. Abgelenkt durch die Bleistifte konnte ich unbemerkt vorbei. Höchste Vorsicht war geboten.

Ich musste mich so lange wie möglich unauffällig verhalten. Es waren einfach zu viel. Wo kamen die alle plötzlich her? Ich tarnte mich in dem ich laut rief „Schnäppchen, Schnäppchen so viele Schnäppchen – Ur oasch!“ Ich passte mich an. Glücklich und gleichzeitig grantig war eine echte Herausforderung.

Eines habe ich allerdings nicht berücksichtigt. Das Ziel so gut wie vor Augen. Wurde ich entlarvt. Von der Gruppe 15 jähriger Mädchen die vorher an der Bim gewartet haben. Total entstellt – lange bunte Krallen, Metall an der Unter- und Oberlippe, zerrissene Kleidung und komisch gefärbte Augen. Wie lange bin ich hier schon drinnen? Stunden? Tage? Wochen? Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.

Von da an ließen sich Opfer nicht mehr vermeiden. Ich packte meine Axt mit beiden Händen und erlöste die Gruppe von ihrem Leiden. Es war nicht mehr mit anzusehen wie sie da standen.

Plötzlich, wie die Geier, stürzten sich andere auf die toten Mädchen und rissen alles an sich. Dabei schrien sie vor Glück „Gratis, Gratis, Gratis“ und gleich darauf erbost „Hey du Hurensohn das war meine neue Tasche!“. Ich nütze die Ablenkung um Meter zu gewinnen.

Das schlimmste war allerdings noch nicht überstanden. Massen versperrten mir den Ausgang. Irre Gesichter, gehetzte Blicke, angespannte Körper die, dem Wahn ergeben, immer wieder verzückt aufschrien.

„Kevin – die blauen Taschen nimm noch 5. Nur 0,49 Cent. Günstiger als beim Billa. Wir sind doch nicht blöd man!“

„Würstchen im Brot um nur 1€! Nimm gleich 10 Uschi. Haben wir für den Abend auch noch was. Geiz ist geil!“

„Ur zach! Wir müssen mehr Kerzen holen. So billig! Seraphin wart mal hier ich hole noch paar. Kost‘ fast nix“

Immer wieder waren Schimpfwörter zu hören wenn wer versuchte sich durch die Massen zu drängen. Was sollte ich machen? Tarnung war keine Option mehr. Noch mehr Tote? Die Masse würde mich überwältigen. Alleine habe ich da keine Chance.

Ich ging noch einmal zu den Regalen und baute mir aus einem Einkaufswagen, Tischplatte und diversen Küchenutensilien ein Fahrzeug. Mir war klar dass es verletzte geben würde aber das Risiko musste ich eingehen. Außerdem ist der Tot ein gnädiger Ausweg aus diesem Shoppingleben das nur noch mehr zum Sudern anregt. Wie Moses das Meer teilte, teilte mein selbstgebauter Wagen die Massen aus Einkaufzombies. Mir war es von ersten Augenblick an klar. Zombis was sonst! Es musste so kommen. Vom Konsum und dem Grant auf alles gesteuerte Ungeheuer – Willenlos.

Schreiend und Fluchend rannten mir hunderte hinterher. Sie wollte mir Zeigen was mit solchen passiert die den Konsum missachten. Das Longboard und ich waren aber schneller. Ich hoffe es ist noch nicht zu spät und man kann alle Brücken über die Donau sperren und ein Ausbreiten der Seuche verhindern. Ansonsten sehe ich das Ende der Welt auf uns zukommen.

Aber – Ich Lebe! Zumindest im Moment.

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